Kein Happy End im Finale daheim
So bitter! So schade! So knapp! Eine Winzigkeit von 25 Hundertstel Punkten fehlte unseren Turnerinnen zum Klassenverbleib in der 1.Bundesliga. Erst mit der letzten Turnerin am letzten Gerät fiel im Saisonfinale in Esslingen vor rund 1000 Zuschauern die Entscheidung.
Es hat nicht sollen sein - obwohl sich die Mannschaft im Training noch in guter Form präsentiert hatte und die Saison erfolgreich beenden wollte. Doch als es darauf ankam, hatten wir das Glück nicht auf unserer Seite. Dabei war die Unterstützung großartig: Rund 1.000 Zuschauer verfolgten das "Finale daheim" in der Sporthalle Weil. Der in blau geschmückte Mittelblock auf der Haupttribüne war fast komplett in Berkheimer Hand, Klatschpappen und Anfeuerungsrufe sorgten für eine tolle Stimmung. Es war klar: Berkheim musste im Wettkampf entweder Dresden oder Hannover hinter sich lassen, um in der ersten Liga zu bleiben. Hannover war an diesem Tag allerdings deutlich besser und schnell aus dem Rennen. Es kam zum Abstiegskrimi zwischen Dresden und Berkheim.
Für Berkheim begann der Wettkampf unglücklich: Petra Stabile kam am Boden nicht so souverän wie sonst durch ihre Übung, eine Migräne vom Vortag machte ihr noch zu schaffen. Nach mehreren Patzern sammelte sie nur etwas mehr als acht Punkte ein und wurde danach am Sprung durch Mara Neher ersetzt. Die weiteren Turnerinnen am Boden machten es gut: Maike Knaak (11,55), Anni Bantel (12,00) und Anina Wildi mit der Berkheimer Tageshöchstwertung von 12,60 Punkten zeigten schöne Bodenübungen und sorgten für eine knappe Berkheimer Führung nach dem ersten Gerät. Dresden konterte erwartungsgemäß am Sprung - die Domäne der Sächsinnen. Marta Uggeri (12,35), Anni Bantel (12.15), Anna-Marlen Piée (11,80) und Mara Neher (10,60) gaben alles, trotzdem stand nach dem zweiten Gerät ein 2,5-Punkte-Rückstand zu Buche. Immer noch aufholbar, denn an Barren und Balken sind unsere Turnerinnen normalerweise das stärkere Team. Doch dann nahm das Drama seinen Lauf.
Einzig Anni Bantel konnte am Barren ihre gewohnt starke Leistung abrufen und bekam mit 12,30 Punkten eine der besten Wertungen des gesamten Wettkampfs an diesem Gerät. Ansonsten hieß es immer wieder: Das darf doch nicht wahr sein! Anina Wildi (11,05), Maike Knaak (9,60) und Anna-Marlen Piée (8,95) stürzten vom Barren - es war wie verflixt. Statt erneut in Führung zu gehen, konnte unser Team lediglich den Rückstand um 1,2 Punkte verkürzen.
Ausgerechnet am Zitterbalken musste somit die Entscheidung fallen. Sara Virga Espana begann nervenstark und zeigte eine starke Übung, für die sie 11,10 Punkte erhielt. Maike Knaak (10,45) musste dann leider einen Sturz hinnehmen, während Anni Bantel (11,05) mit wenigen Wacklern gut durchkam. Man konnte vorsichtig optimistisch sein, denn die stärkste Balkenturnerin ging als letzte ans Gerät. Doch Marta Uggeri hielt dem Druck leider nicht stand und stürzte gleich zweimal vom Balken. Bange Blicke gingen zur Anzeigetafel. Würde es trotz allem reichen? Als die Wertung (10,25) eingeblendet wurde, jubelte das Team aus Dresden: 25 Hundertstel Punkte fehlten dem TSV Berkheim zum Klassenverbleib.
Am Ende war es aber nicht Martas Schuld. Der Abstieg ist nicht an einer Szene festzumachen. Dem Team unterliefen insgesamt zu viele Fehler im letzten Wettkampf. Trainer Gerhard Weber würdigte dennoch die Leistung des Teams und drückte seinen Stolz auf die Mannschaft aus. Es war alles in allem keine einfache Saison. Sie war wie schon im Vorjahr von viel Verletzungspech geprägt - angefangen bei der früheren Nationalturnerin Michelle Timm, die zu Saisonbeginn aus Stuttgart nach Berkheim gewechselt war, sich zweimal die Archlllessehne riss und leider keinen einzigen Wettkampf für uns bestreiten konnte. Hinzu kamen die Rücktritte unserer beiden Top-Scorerinnen Carina Kröll und Irene Lanza, die nicht kompensiert werden konnten. Das Team hat versucht, das Beste aus der Situation zu machen - leider ohne Happy End.
Fotos: Georg Hrivatakis